Nachverdichtung stoppen, wo's geht
Ein Dutzend Wohn-Bündnisse fordert eine Sofortbremse bei Nachverdichtungs-Vorhaben. Stadtentwicklungssenatorin Lompscher winkt jedoch ab. Von Julius Betschka
Einige versuchen längst, die Krise für ihre Agenda zu nutzen. Das ist anscheinend auch: menschlich. Kurz vor Ostern schickten zwölf Berliner Bürger-, Aktions- und Mieterbündnisse einen offenen Brief an Stadtentwicklungssenatorin Katrin Lompscher. Die Forderung: Sie solle „Partizipations-, Planungs- und Baugenehmigungsverfahren und bereits erteilte Baugenehmigungen für Nachverdichtungsmaßnahmen in den Wohnquartieren der landeseigenen Wohnungsbaugesellschaften bis zum Ende der COVID-19-Pandemie“ aussetzen. Kurz: Nachverdichtung stoppen, wo’s geht. Begründung: Demokratische Diskussionsformen („das Zusammentreffen zur Information“) seien nicht durchführbar und die Zahl der Infizierten sei sowieso dort höher, wo Menschen auf engem Raum lebten. Auf Checkpoint-Anfrage sagt Lompscher: „Für die Aussetzung von erteilten Baugenehmigungen oder den Stopp laufender Wohnungsbauvorhaben besteht inhaltlich kein Grund.“ Allerdings müssten neue Formate der Bürgerbeteiligung gefunden werden. Eine Idee liefert der baupolitische Sprecher der Grünen, Andreas Otto: „Wir müssen neue, digitale Beteiligungsformate installieren – zum Beispiel per Video.“ Darauf warten wir jetzt – TikTok – gespannt. Verwaltung und Digitalisierung? Tausend Mal berührt, tausendmal… Aber vielleicht hat’s ja wirklich bald: Zoom* gemacht. (*Vorsicht: Anfällig für Hacker)