Michael Naumann ist empört übers Müllers Kampfkandidatur gegen Sawsan Chebli

Der Publizist und SPD-Politiker kritisiert einen „Rückfall in altpatriarchale Zeiten“. Cheblis Geschichte hält er „für etwas Wunderbares“. Von Lorenz Maroldt

Michael Naumann ist empört übers Müllers Kampfkandidatur gegen Sawsan Chebli
Foto: Mike Wolff

Anruf von Michael Naumann, Gründungsdirektor der Barenboim-Said-Akademie. Er war in seinem bewegten Leben u.a. Kulturstaatsminister, „Zeit“-Herausgeber und SPD-Bürgermeisterkandidat in Hamburg. Heute ist er sauer, ja: „empört“, und zwar über Michael Müller und die Berliner SPD, genauer: über den Umgang mit Sawsan Chebli bei der Kandidatenkür für die Bundestagswahl. Den männlichen Verdrängungsprozess zu Lasten der Staatssekretärin nennt Naumann einen „Rückfall in altpatriarchale Zeiten“, das Verhalten der SPD „schäbig, dumm und ungerecht“. Chebli stehe mit ihrer persönlichen Geschichte „für etwas Wunderbares“, aber ihm, so Naumann, gehe es „ums Prinzip“: Dass so etwas fünfzig Jahre nach dem Beginn der Emanzipationsbewegung in seiner SPD passiert, „kann nicht sein“, „selbst Wehner hätte das geschickter gemacht“. Naumanns Vorschlag zur Rettung der Situation: Statt bei der Spitzenbesetzung der Landesliste nur über die Frage Müller oder Kühnert zu reden, „sollte die SPD Chebli auf Platz 1 setzen – das wäre ein Signal!“   

Ein ganz anders Signal funkte die SPD-Abteilung von Robert Drewnicki, dem Kreiskassierer im umkämpften Wahlkreis Charlottenburg-Wilmersdorf, zugleich Referatsleiter in der Senatskanzlei und Michael Müllers enger Vertrauter: Hier wurde, Überraschung, der Regierende Bürgermeister nominiert.