Ukraine in Berlin (Konzert, ankommende Flüchtlinge und Co.)

Berlin ist in diesen Tagen stadtgewordene Metapher für die Widersprüche, die die aktuelle Lage generiert: Dank bestem Frühlingswetter strömen Menschen in die Parks, drängen sich an den wackligen Restaurant-Tischen auf den Gehwegen und stehen „freedom day“-trunken vor den soeben wiedereröffneten Clubs an.

Währenddessen kommen wenige Kilometer weiter Zug für Zug und Bus für Bus diejenigen an, die Schutz suchen vor dem Krieg, der zwei Länder weiter tobt, stehen geduldig am Hauptbahnhof Schlange und vor den Ankunftszentren. Seit heute gibt es neben dem in Reinickendorf auch eines in Tegel: Der ehemalige Flughafen soll auf seine alten Tage doch noch Drehkreuz werden, und zwar zur Verteilung der Geflüchteten über das ganze Bundesgebiet. Regierende Giffey war bei der Eröffnung am Sonntag vor Ort. „In Krisenzeiten läuft Berlin zu Höchstformen auf“, sagte sie, bloß wollte es nicht so richtig wie eine Feststellung klingen, eher wie eine Hoffnung.

Und damit nicht genug der parallel ablaufenden, bei genauerer Betrachtung aber nur schwer miteinander vereinbaren Vorgänge, die sich in Berlin in unmittelbarer Nähe abspielen: Am Brandenburger Tor feierten am Sonntag mehr als 15.000 Menschen für die Ukraine, setzten dem Krieg den „Sound of Peace“ entgegen und sammelten Spenden; mehr als 6,5 Millionen Euro kamen zusammen. Das Mini-Live-Aid 2022 fand zwar ohne Bob Geldof statt, dafür war Natalia Klitschko vor Ort, die Frau von Vitali Klitschko, Ex-Boxstar und aktuellem Bürgermeister von Kiew. „Es ist wichtig zu sehen, dass die ganze Welt für die Ukraine steht“, sagte sie, während ihr Mann zwei Flugstunden entfernt durch die Trümmer der von ihm regierten Stadt stapfte (Paul Ronzheimer/Twitter).