Helfer: Senat organisiert besser als 2015
Von einem „dynamischen Ankunftsgeschehen“ spricht Franziska Giffey mit Blick auf die Geflüchteten aus der Ukraine – aber wie gut ist der Senat organisiert, verglichen mit der Situation von vor sieben Jahren? Einige Helfer hatten sich kritisch geäußert (CP v. 10.3.). Sabine Beikler sprach dazu mit dem Kommunikationsberater Holger Michel, der seit 2015 in der Freiwilligen-Hilfe aktiv ist – hier seine Einschätzung:
+ „Die Vorbereitung ist aus meiner Sicht einige Tage zu spät angelaufen. Das liegt auch an der Informationspolitik des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge, das nach Kriegsbeginn nur 20.000 Flüchtlinge für die nächsten Wochen prognostiziert hatte. Das war eine völlige Fehleinschätzung. Die Berliner Landespolitik und die Verwaltung haben im Vergleich zu 2015 dagegen einen Sprung gemacht.“
+ „Der Krisenstab bei Sozialsenatorin Kipping ist 24 Stunden für uns erreichbar. Das gilt auch für das Landesamt für Flüchtlingsangelegenheiten. Diese Kommunikationsstruktur gab es 2015 nicht. Wir sprechen heute respektvoll auf Augenhöhe miteinander und sind nicht die nervenden Helfer und Helferinnen wie früher, weil wir natürlich auch unsere Expertisen haben.“
+ „Es werden viel schneller Unterbringungsplätze akquiriert. Damals kamen rund 80.000 Flüchtlinge aus Syrien an, aber über einen sehr viel längeren Zeitraum. Heute kommen rund 15.000 Flüchtlinge täglich aus der Ukraine an. Früher hieß es, wir kümmern uns um die Versorgung, aber das hatte nicht funktioniert. Heute ruft mich das LAF zum Beispiel abends um 22 Uhr an und bittet für den Festsaal Kreuzberg um 15 Personen, die 200 Flüchtlinge in Empfang nehmen. Wir arbeiten zusammen, nicht gegeneinander.“
+ Zur schlecht koordinierten Unterbringung durch den vom Senat beauftragten Träger „Karuna“: „Es ist okay, Probleme zu haben, aber neun Tage nach dem Gespräch muss das gelöst sein. Und wenn ich es selbst nicht kann, muss ich um Hilfe bitten. Wir hätten sofort eine Hotline aufbauen und Helfer abstellen können.“
+ Zur späten Beauftragung eines Caterers für die Versorgung am Hauptbahnhof: „Der hat um 22 Uhr Feierabend gemacht. Ich brauche aber nach 22 Uhr Leute, wenn am Hauptbahnhof 2600 Flüchtlinge die Nacht verbringen. Wenn man was organisiert, muss man das auch zu Ende denken.“
+ „Ein weiteres Problem am Hauptbahnhof ist die organisatorische Trennung des großen Zeltes am Washingtonplatz vom Untergeschoss, wo die Flüchtlinge ankommen. Die Stadtmission ist für das Zelt zuständig, die Ehrenamtlichen für das Untergeschoss. Aber das muss als Einheit gedacht werden.“
Ein spezielles Hilfsgesuch veröffentlichte Holger Michel dann noch bei Facebook: „Wir suchen Clowns für die Kinderecke im Auffangzelt am Hauptbahnhof. Ihr bekommt kein Geld, aber viel Dankbarkeit und würdet viele Kinder vielleicht seit Tagen zum ersten Mal wieder zum Lachen bringen.“
Wie Sie selbst am besten helfen können, sehen Sie hier (aktualisiert).
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