Wie mit dem Ende der Barzahlung in BVG-Bussen ein Stückchen Berlin verschwindet
Vorne beim Fahrer zahlen – das wird bald nicht mehr zum Erlebnis werden. Eine Erinnerung an markige Berliner Sprüche. Von Lorenz Maroldt und Thomas Lippold.
Bei der BVG endet eine Ära, die über Jahrzehnte zur unerschütterlichen Folklore Berlins gehörte: Wenn demnächst die Vordertüren der Busse wieder öffnen, können Tickets dort nur noch bargeldlos gekauft werden. Nie wieder werden wir hören, dass der Fahrer angesichts eines Zwanzigers hoch erfreut sagt: „Seh‘ ick aus wie ‘ne Sparkasse?“ (früheren Generationen auch in der Variation „Bin ick ‘ne Wechselstube?“ bekannt), nie wieder wird es heißen: „Keene Monatskarte, aber eenen uff dicke Hose machen – dit ham wa jerne.“ Aber auch die Fahrer müssen sich umgewöhnen – noch vor kurzem wurde die Frage, ob Kartenzahlung möglich ist, gerne mit einem trockenen „Wat!?“ gekontert.
„Aber wann können die Fahrgäste denn endlich wieder vorn einsteigen?“, will Checkpoint-Leserin Renate Hartmann wissen – zum Schutz der Fahrer sind inzwischen ja alle Busse mit Acrylscheiben ausgerüstet worden. Wir haben bei der BVG den aktuellen Stand erfragt, die Antwort: Solange die Gespräche mit den Arbeitnehmervertretern zur Öffnung noch nicht abgeschlossen sind, bleiben die Türen zu. Zur Erinnerung: Eigentlich sollte es bereits am 3. Mai soweit sein, aber ein bisschen Verspätung sind wir ja gewohnt. Vertreiben wir uns die Wartezeit mit der Vorfreude auf andere Busfahrer-Klassiker (alle original überliefert), die auch ohne Bargeld funktionieren, z.B.: „Fahren Sie Steglitz?“ – „Ne, ick fahre Bus“. Oder: „Sind Sie 125?“ – „Ne, ick bin 53“. Team Checkpoint wünscht gute Unterhaltung.