Verdacht auf Amtsschimmel bei Mittes Lebensmittelaufsicht

Über 400 unabgeschlossene Anträge stauen sich bei der Bezirksbehörde. Dabei waren die Lebensmittelkontrollen früher mal viel schärfer. Ein Rückblick von Lorenz Maroldt.

Verdacht auf Amtsschimmel bei Mittes Lebensmittelaufsicht
Foto: MiS/imago images

Stephan von Dassel hat bekanntlich Beef mit „Foodwatch“ und „Frag-den-Staat“ – die Organisationen reichten im Rahmen der Kampagne „Topf secret“ eine Untätigkeitsklage ein mit der Begründung, ihnen würde die Akteneinsicht über Lebensmittelkontrollen verwehrt. Jetzt drehte der Mitte-Bürgermeisters den Spieß um: Die Aufsicht habe im Bezirk einen „hohen Stellenwert“, von 645 Anträgen seien immerhin 238 abgeschlossen. Doch auch damit ist der Zustand unter Berücksichtigung der gesetzlichen Fristen (zwei Monate) bestenfalls als „medium“ zu bezeichnen, „well done“ ist das nicht – manche Anträge liegen seit 14 Monaten vor.

Wir verkürzen uns die Wartezeit mit einem Rückblick auf die Zeit, als die Lebensmittelaufsicht von Mitte so scharf war wie eine Chili aus der Kleingartenanlage Frohsinn – Christine Chalut erinnert sich für die rbb-Serie „Berlin – Schicksalsjahre einer Stadt“ ans Frühjahr 1996, als sie in den gerade neu eröffneten Galeries Lafayette jobte:

Das Bezirksamt für Lebensmittel kam öfter, die wollten uns den ‚Bleu d’Auvergne‘ und den ‚Fourme d’Ambert‘ verbieten, diese Schimmelkäse, weil sie der Meinung waren, der Käse sei verschimmelt. Wir haben sehr lange gebraucht, um denen beizubringen: Nein, die sind nicht verschimmelt.“

Der echte Schimmel hat sich bekanntlich über die Jahre in verschiedenen Amtsstuben von Mitte festgesetzt. Wir freuen uns jedenfalls wie Bolle auf die ausstehenden 407 Berichte.