Zu Boden gebracht und ins Gesicht gemalt: GdP-Sprecher verteidigt Vorgehen zweier Polizisten gegen „Letzte Generation“-Aktivisten
Die Verhaftung sähe nicht „optimal“ aus, meint GdP-Sprecher Jendro, aber man solle das „sauber einordnen“. Ein erfahrener Polizeireporter tut sich schwer mit diesem Statement. Von Margarethe Gallersdörfer.
Wegen des Verdachts der Körperverletzung im Amt ermittelt die Berliner Polizei gegen zwei ihrer Beamten – auf Grundlage zweier viraler Videos. Auf dem einen ist zu sehen, wie der eine eine Aktivistin der Letzten Generation zu Boden schubst; der andere Zivilbeamte bringt eine weitere junge Frau brutal zu Boden, fixiert sie und malt ihr mit einem Farbpinsel ins Gesicht.
Überraschend kommt das nicht: Die Berliner Gewerkschaft der Polizei (GdP) etwa haut in Person ihres Pressesprechers Benjamin Jendro zur „Letzten Generation“ unermüdlich Pressestatements raus, bei denen man sich nur die Augen reiben kann. Besonders wenn man, schon aus historischen Gründen, eine politisch möglichst neutrale Polizei bevorzugt. Unter anderem hat Jendro offenbar exklusiv: Der „so genannten Letzten Generation“ geht es in Wahrheit um gar nichts. Der Klimakollaps: nur ein Vorwand für die eigentliche Passion, nämlich Straftaten zu begehen und „die Gesellschaft zu spalten“. Wenn bei solchen Unholden mal die Hand ausrutscht – das muss man verstehen.
„Wir brauchen nicht darüber reden, dass das nicht optimal aussieht. Aber polizeiliche Maßnahmen sehen selten schön aus und wir reden über Sachbeschädigungen, die durch unsere Kollegen geahndet werden müssen. (…) Bis heute wurden sämtliche Verfahren, bei denen man unsere Kollegen diskreditieren wollte und angeblich rechtswidrige Maßnahmen angeprangert hat, juristisch eingestellt. Ob das in diesem Fall auch so sein wird, werden wir sehen. Im Kontext von gut 550.000 Einsatzkräftestunden und der dauerhaften Debatte um das richtige Vorgehen bei diesen Aktionen sollte man das dann aber auch sauber einordnen.“
Da hat selbst B.Z.-Polizeireporter Axel Lier genug: „Leute, ich finds schwer zu lesen, dass dieses Sinnlos-Schubsen und ins Gesicht malen ,nicht optimal‘ aussieht. Ich möchte nicht, dass Polizisten sich (bei Zwangsmaßnahmen) zu so etwas hinreißen lassen.“
Abschließend noch ein Fun Fact: „Eingestelltes Verfahren“ heißt noch lange nicht „kein Fehlverhalten“ – ganz besonders bei der deutschen Polizei, wie erst jüngst wieder erforscht wurde.