Berliner Verwaltungsmitarbeiter beklagen Personalmangel

Und gleich nochmal zurück in die Verwaltung – hier sechs Aussagen von Mitarbeitenden der Berliner Ämter über den Zustand in ihren Büros, verursacht vor allem durch Personalmangel:

A (Wohngeldstelle Steglitz-Zehlendorf): „Auf meinem Schreibtisch liegen noch Anträge aus dem Januar 2023.“

B (Jugendamt): „Wir sind schlecht erreichbar. Wenn uns doch jemand am Telefon erwischt, dann können wir oft nicht sofort helfen. Wir lassen die Familien mit ihren Problemen allein. Für den Kinderschutz bedeutet das: Es findet so etwas wie eine Triage statt.“

C (Krankenhaus Maßregelvollzug): „Uns fehlen 102 Vollzeitstellen, die meisten davon in der Pflege. Gleichzeitig lagen 72 Menschen mehr in unseren Betten als vom Amtsarzt genehmigt. Da fährt man immer ein Notprogramm. Das hat auch dramatische Folgen für die Sicherheit Berlins.“ (Was damit gemeint ist, können Sie hier nachlesen).

D (Wohnungslosenhilfe Sozialamt Steglitz-Zehlendorf): „Im Schnitt sitzen die Leute drei bis vier Stunden im Warteraum. Den letzten Hausbesuch zur Mietschuldenberatung habe ich vor einem halben Jahr geschafft. Ich gehe davon aus, dass unsere Personalnot indirekt auch dazu führt, dass immer mehr Mieterinnen und Mieter geräumt werden müssen.“

E (Finanzamt für Körperschaften): „Auf meinem Tisch landet immer mehr Arbeit. Dadurch leidet die Durchsetzung geltenden Rechts. Das Land Berlin kostet das bares Geld.“

F (Standesamt): „Angehörige müssen oft zwei bis drei Monate auf eine Sterbeurkunde warten. Am Ende meiner Prioritätenliste stehen Nachbeurkundungen. Da kann man sich auf zwei Jahre Wartezeit einstellen.“ (In Köln erhalten Angehörige eine Sterbeurkunde übrigens bereits nach zwei bis drei Tagen).

Mit den Mitarbeitenden der Verwaltung haben Robert Kiesel und Nora Ederer gesprochen. Da sie über interne Vorgänge eigentlich schweigen müssen, sind die Namen der Mitarbeitenden hier geändert. Die Identitäten der Gesprächspartner sind der Redaktion bekannt.