Teilnehmer sollen für Marktumfrage intimste Details offenbaren
Im Auftrag mehrerer Sender will ein Berliner Marktforschungsinstitut mehr über TV-Zuschauer erfahren – und verlangt unheimlich tiefe Einblicke in deren Leben. Von Lorenz Maroldt
Mit dem seriös klingenden Entré „Fernsehforschung“ lässt gerade das Marktumfrageinstitut GfK in Berlin Probanden für das Streaming-Projekt „SAM“ anwerben: Im Auftrag der „Arbeitsgemeinschaft Videoforschung“, die wiederum im Auftrag auch wirtschaftlich beteiligter Sender wie ARD und ZDF sowie diverser privater TV-Anbieter handelt, soll die Onlinenutzung „gemessen“, bzw. „ermittelt“ werden. Diese Daten, so heißt es in einer Broschüre, fließen in die „Berechnung“ der Fernsehquote ein.
Wer sich darauf einlässt, muss sich allerdings durch einen 16-seitigen Anwerbefragebogen und einen 42-seitigen Personenfragebogen mit hunderten Fragen ackern – und neben dem Namen, der Anschrift, der Telefonnummer und dem Geburtsdatum intimste Auskünfte geben. Hätten Sie z.B. gewusst, dass es für die Ermittlung der Fernsehquote von Belang ist, wie oft Sie Zahnpasta benutzen? Antwortmöglichkeiten: „Mehrmals täglich“, „Täglich“, „Mehrmals pro Woche“, „Ca. 1 mal pro Woche“, „Mehrmals pro Woche“, „Ca. 1 mal pro Monat“, „Seltener“, „Nie“.
In dieser Art geht es weiter, durch ein komplettes Konsum- und Gesundheitsleben, gefragt werden die Teilnehmer nach Duschgel, Abführmitteln, Alkoholkonsum, ob sie lieber Hartkäse, Schnittkäse, Weichkäse oder Frischkäse zu sich nehmen und wie sie ihr Geld anlegen.
Die GfK teilt dazu auf Checkpoint-Anfrage Anfrage mit: „Die von Ihnen aufgeführten Fragen dienen ausschließlich zur Spezifizierung von Zielgruppen bei der Auswertung der Bewegtbildnutzung. Der Datenschutz ist GfK dabei das zentralste Anliegen.“
Außerdem müssen die Teilnehmer ein Messgerät an ihren Router anschließen – die Nutzungsdaten sämtlicher internetfähigen Geräte, die angemeldet sind, werden erfasst und an die GfK übermittelt. „Einen Einblick in verschlüsselte Inhalte von Mails, SMS, aufgerufene Websites erhalten wir nicht“, schreibt die GfK, Betonung auf „verschlüsselte“. Und weiter, gerichtet an die Teilnehmer: „Bitte wenden Sie sich nicht versehentlich an unseren Auftraggeber, die AGF.“ Aber wer soll dazu noch Zeit haben bei all den Fragen?