Was Charité-Mediziner über ihre Arbeit in der Berliner Großklinik berichten

Charité – Come in and Burnout. Das war jüngst bei einem Warnstreik auf dem Plakat eines Mediziners zu lesen. Die Lage an den Kliniken ist ernst, das Personal überlastet, Betten sind knapp. Mediziner der Charité haben Hannes Heine und Saara von Alten aus ihrem Alltag erzählt. Das Gesundheitssystem, so scheint es, braucht selbst Heilung:

+ „Ich denke oft daran, den Job zu wechseln, ich habe keine Lust, meine Gesundheit einem durchökonomisierten System zu schenken.“ (Assistenzarzt, 30 Jahre alt)

+ „Eigentlich müsste die Notaufnahme gesperrt werden, für schwere Fälle haben wir keinen Platz mehr.“ (Ärztin an einer Charité-Rettungsstelle)

+ „Mit Schichtübergaben, Papierkram und Bereitschaftsdiensten kam ich im Schnitt auf 64 Stunden pro Woche. Von den meisten Ärzten wird das so hingenommen. Dabei könnte man pro Arzt täglich anderthalb Arbeitsstunden einsparen, wenn die Digitalisierung nicht auf dem Stand von 1995 wäre.“ (Ex-Assistenzarzt an der Charité)

+ „Der enorme Verwaltungsaufwand führt dazu, dass Mediziner zu viel Zeit mit unnötigen, weil automatisierbaren Aufgaben verbringen und weniger Zeit für die Patienten haben. Die Behäbigkeit des öffentlichen Dienstes trifft auf Arbeitsstrukturen der 90er Jahre.“ (Internist, Ende 30)