Warum das Pergamonmuseum Berlins neuer BER ist – und was eine Professorin zur 14 Jahre langen Schließzeit sagt
Der weltbekannte Ausstellungsort soll erst 2037 wieder vollständig eröffnet werden. Altorientalistin Prof. Cancik-Kirschbaum erläutert die Sanierungsdauer. Von Nina Breher und Lotte Buschenhagen
Alles neu macht der März: neue Koalition, neuer BVG-Chef – und ein neuer BER? Nachdem die Stiftung Preußischer Kulturbesitz selbstbewusst verkündete, das Pergamonmuseum solle 2037 wieder vollständig eröffnet werden, nicht 2025 (Q), liegt der Verdacht nahe. Gewohnt ist man in Berlin einiges. Aber sind jahrzehntelange Sanierungsarbeiten normal?! Wir haben eine gefragt, die es wissen muss: Altorientalistin Eva Cancik-Kirschbaum. „Ich fürchte, das ist realistisch“, sagt die FU-Professorin mit Blick auf die Schließzeit.
Wie konnte es so weit kommen? Neben zwei Problemen, die niemand so richtig verschuldet – immobile Riesenobjekte, wackliger Baugrund –, gibt es auch menschengemachte. Beim Bau ab 1910 (der übrigens 21 Jahre dauerte) tat der Stadtbaurat „etwas, das man nicht machen sollte: Er hat immer wieder etwas verändert, zum Beispiel eine zusätzliche Treppe eingebaut“. Die Parallelen zum BER sind nicht zu übersehen. These: Hat man sich beim spontan eingezogenen BER-Zwischengeschoss gar nicht verzettelt, sondern wollte dem Flughafen ein postmodernes Zitat hauptstädtischer Bautradition verpassen?
Und dann sind da die Sanierungs-Architekten. Als „äußerst aufwändig“, „sehr ambitioniert“ bezeichnet Cancik-Kirschbaum ihre Entwürfe am Checkpoint-Telefon. Auch hier sind Parallelen zum BER kaum von der Hand zu weisen. Für das Pergamonmuseum sehen die mondänen Architekten ein unterirdischer Gang vor. Bei einem auf Sand und Schlamm gebauten Museum eine, nun ja, spannende Idee. Cancik-Kirschbaums Fazit zum Umfang der Modernisierung: „Ich frage mich bloß, warum man einmal 2025 als Wiedereröffnungstermin versprochen hat.“ Zum Zeitvertreib in der Zwischenzeit empfiehlt die Professorin einen Besuch des U-Bahnhofs Klosterstraße. Da seien schließlich die gleichen blauen Kacheln zu sehen wie auf dem Ischtar-Tor. Flixbus statt Flieger, U-Bahn statt Museum: Dit is Berlin!