Millioneninvestition geplant: Berlin will alle Ampeln ab 2024 mit einem Countdown ausrüsten

3, 2, 1… rot! Berlins Verkehrssenatorin Manja Schreiner (CDU) will Countdown-Ampeln für Fußgänger. So steht es, wie berichtet, im Sofortprogramm des neuen Senats. Zum letzten Mal war das ganze etwa vor zehn Jahren ein größeres verkehrspolitisches Thema. Jetzt sollen ab 2024 aber alle 2.100 Ampelanlagen mit Countdown-Balken ausgestattet werden, das teilte die Verkehrsverwaltung auf Checkpoint-Anfrage mit. Vorbild ist ein Pilotversuch in Wedding. Laut Verkehrsverwaltung soll „damit dem Fußverkehr verdeutlicht werden, dass das ansonsten oft verunsichernde Rest-Rot hinreichend Zeit lässt für die Querung“.

Halt… Moment mal! Gab es nicht 2016 schon ein Pilotprojekt des Senats „für eine fußverkehrsfreundliche Steuerung von Lichtsignalanlagen“? Wir blättern in der Auswertung: „Die Ergebnisse der Fußgängerbefragung (subjektive Kriterien) zeigten, dass nur die beiden Pilotprojekte ‚Rotblinken‘ und ‚Grünblinken‘ von den zu Fuß Gehenden besser als die bestehende Signalisierungsform eingeschätzt wurden. (…) Die beiden Pilotprojekte ‚Grünblinken‘ und ‚Countdown‘ schnitten mit 6,6 und 8,0 schlechter ab als die bestehende Signalisierung (8,2).“ Bei „Investitions- und Betriebskosten“ schnitt das nun ausgewählte Countdown-System am schlechtesten von allen überprüften Systemen ab. Das klingt alles… eher fußgängerunfreundlich.

Was aber kostet der Ampelspaß? Das kann oder will die Verkehrsverwaltung „aufgrund des frühen Projekt-Zeitpunkts“ nicht sagen. Aber in Dresden kostete kürzlich eine einzige Countdown-Ampel fast 30.000 Euro. Bei 2.100 Ampeln in der Stadt machte das bis zu 63 Millionen Euro. Aber vielleicht gibt es ja Gruppenrabatt. Nach diesem kurzen Fakten-Check kann man nur noch wenig einwenden gegen die Kritik des BUND Berlin: Dessen Verkehrsexperte, Martin Schlegel, kritisierte das Vorhaben von Schreiner als für Fußgänger nutzlos und eine „ärgerliche Geldverschwendung“. Aber die Haushaltsverhandlungen im Parlament stehen noch an. Vielleicht steht ja irgendwo im Abgeordnetenhaus noch ganz altmodisch: ein Stoppschild.