Frost

fühlt er sich nicht wunderbar warm an, der Regen da draußen? Nach zwei Monaten Tiefkühlung taut Berlin jetzt im Turbogang auf. Vielleicht noch wichtiger: Der milde Westwind soll es bis in die Ukraine schaffen, in der es für Hunderttausende seit Wochen ums nackte Überleben geht in der grausamen Kälte, in die Putins Mörderbanden das Land gebombt haben. Morgen jährt sich der Überfall zum vierten Mal. 1460 Tage, in denen es 300 Millionen Europäern nicht gelungen ist, den barbarischen Anführer von 150 Millionen Russen zu stoppen.

Der Blick dorthin relativiert unsere Probleme. Freuen können wir uns trotzdem über das Ende der Eiszeit. Endlich sind auch im Tarifgebiet B die Buckel weg, die sich seit Ende Dezember auf Nebenstraßen und Wegen wölbten wie Lavablasen, nur eiskalt und knallhart, und auf Radfahrer lauerten. Und dem Smalltalk nach schien jeder Dritte irgendwie zu kränkeln bei der Kälte.

Ich wurde in diesem Winter gleich zwei Mal von gemeinen Mikroorganismen ans Bett gefesselt, was mir unangenehm war gegenüber dem Standort Deutschland im Allgemeinen und dem Bundeskanzler im Besonderen. Immerhin habe ich die Gasheizung weit aufgedreht, was ja im Sinne der Bundeswirtschaftsministerin und ihrer alten Bekannten sein müsste.

Auf Checkpoint-Anfrage haben ein paar große Arbeitgeber die Küchentisch-Empirie zur vermeintlich hohen Krankenquote mit Rückmeldungen angereichert. Bei der DB hieß es für Regional- wie S-Bahn, der Krankenstand sei „jahreszeitbedingt aktuell etwas erhöht“. Es gelinge aber, alle Schichten zu besetzen. Die BVG meldet „Krankenstände im normalen Bereich. Dadurch sind Ausfälle aufgrund von Personalengpässen im großen Maß derzeit kein Thema.“ Bei kurzfristigen Ausfällen stünden Reservedienste bereit.

Die Deutsche Rentenversicherung verzeichnet laut einem Sprecher keine gestiegenen Krankheitszahlen und vermutet, „dass die vielfältigen Möglichkeiten im Homeoffice zu arbeiten, das Ansteckungsrisiko verringern“. Auch bei den Wasserbetrieben ist das Glas mehr als halb voll – genauer gesagt zu 91 Prozent. Diese „Gesundheitsquote“ vom Januar sei sogar 0,6 Prozent besser als im Vorjahresmonat. Die Berliner Sparkasse meldet bis Ende 2025 einen Krankenstand auf dem Niveau des Vorjahres. Neuere Zahlen liegen laut einer Sprecherin nicht vor.

Die für die Personalstatistik der Landesbehörden verantwortliche Finanzverwaltung kann auf Anfrage keine aktuellen Zahlen nennen. Die neueste Auswertung kommt für die knapp 135.000 Beschäftigten für 2024 auf eine Gesundheitsquote von 89,9 Prozent, was im Vorjahresvergleich einer Verbesserung um einen halben Prozentpunkt entspricht. Im Durchschnitt sei jeder Beschäftigte an 36,8 Kalendertagen krank gewesen, also inklusive Wochenenden und Feiertagen. Im Jahr davor waren es 38,7 Kalendertage. Wenn das so weitergeht, sind in 20 Jahren alle gesund (die Formel hinter dieser Prognose ist leider geheim).

Und bei Ihnen so?