Encore
Ich erinnere mich an einen Tag in meiner Kindheit, an dem mir das Verstehen abhanden kam. Es ist ganz schön aufreibend, wenn man nicht etwa irgendeinen Gegenstand, Sachverhalt oder Menschen, den man zuvor zu verstehen meinte, plötzlich nicht mehr versteht, sondern das Verstehen selbst unverständlich wird. Das war so: Es zog schmerzhaft in der Knöchelgegend, und das ohne erkennbaren Grund – das stimmte skeptisch. Woher also dieses Ziehen? Vielleicht hatte ich ja irgendwie ungünstig in der Schulbank gesessen, dachte ich. Oder gestanden, am U-Bahnhof wartend, hatte mich ver-standen. Ich hatte mich verstanden. Technischer K.O. für den – was sollte das üherhaupt sein, mein Verstand? Und sollte der nicht mit einem schmerzhaften Ziehen in der Kopfgegend einhergehen? Kaum gedacht, war er auch schon da, der Kopfschmerz. Da fiel mir ein, ich hätte mich natürlich auch verlegen haben können, nicht auszuschließen. Oder versessen oder sonst wie verkörpern. Vielleicht war das Ganze aber auch nur ein verkopfter Verdacht – falsch gedacht, die Vorsilbe „Ver–“ ganz falsch verstanden? Nicht auszuschließen, soviel muss ich gestehen.