Encore
Neulich erzählte mir einer diese Geschichte: Mitte der Nullerjahre sei er mit einem Freund nach Tanger in Marokko geflogen, und zwar mit einem Foto von William S. Burroughs in der Tasche. Der 1997 verstorbene Beat-Poet hatte dort einige Jahre gelebt, was sich etwa in Naked Lunch auch literarisch niederschlug. Tanger hatte also Spuren bei Burroughs hinterlassen. Nun beschlossen die beiden Freunde, nach den Spuren von Burroughs in Tanger zu suchen und fragten in Geschäften, Hotel-Rezeptionen, in Lokalen und in den Straßen, ob jemand den Mann auf dem Foto wiedererkannte. Aber ja, und ob er wiedererkannt wurde. Er habe gestern erst dort Tomaten gekauft, und da habe er letzte Woche zwei Nächte verbracht und vor nicht langer Zeit in jenem Lokal einen Streit angezettelt, erfuhren sie. Und so folgten die beiden den Spuren, erhielten Telefonnummern, aufzusuchende Adressen und reichlich Tee und Kaffee sowie Einsichten in abenteuerliche Hinterhöfe und Winkel, die in keinem Reiseführer je zu finden sein werden. Sie hätten Kunst gemacht, meinte ich, und fragte, ob sie das irgendwie aufgezeichnet hätten. Hätten sie nicht, sagte er. Sie seien auch gar keine Künstler, nur Dilettanten.