Encore
Die Klassische Musik hat ein bekanntes Vermittlungsproblem. Man muss es zwar nicht übertreiben, der Betrieb pfeift längst nicht auf dem letzten Loch, aber das Publikum wird immer älter und vom Anschluss an jegliche Jugendkultur können nur Ausnahmeprojekte mit Leuchtturmcharakter erzählen. Manchmal wird die Musik absurd arrangiert, das Instrumentarium „aufgepeppt“, Musikerinnen als Performer mit Pyro- und Lasershow inszeniert. Die Absurdität vieler dieser Anläufe, die dem ornamentalen Beiwerk mehr Bedeutung beimessen als der Musik, ist nicht zu übersehen. Anne-Sophie Mutter ist gerade mit dem Praemium Imperiale-Preis des japanischen Königshauses geehrt worden, umgerechnet 126.000 bis 128.000 Euro, je nach Quelle. Galakleid und Stradivari (oder gleich zwei) gehören hier dazu. Das Versprechen dahinter: Wer in der Klassik schon alles hat, bekommt den Rest der Welt geschenkt. Sie ist durchaus eine der bedeutendsten Violinistinnen der Gegenwart und man soll sie ruhig auszeichnen. Man sollte dabei aber nicht vergessen, dass draußen derweil Einspielungen klassischer Musik zur Abschreckung von Menschen an Bahnhöfen eingesetzt werden, während die Musikwelt Normalsterblicher zunehmend demokratisiert, also allen zugänglich gemacht wird. Und dabei prekär bleibt. Selbst die besten Vermittlungskonzepte haben es schwer, wenn immer zuerst die in solchen Genie-Inszenierungen aufgebauten Distanzen abgebaut werden müssen, bevor man wieder auf die Musik zu sprechen kommt.