Durchgecheckt
Sascha Kramer (rechts) ist einer der kreativen Köpfe hinter der neuen Moka Efti Bar in Mitte, die den Mythos der 20er in Berlin wieder aufleben lässt. Minh Chung (links) ist Gesellschafter der Bar und hauptberuflich in der Tech-Branche tätig. (Foto: Doris Spiekermann-Klaas)
In Berlin sterben immer mehr Clubs, weil ihnen die Räume genommen werden und die alternativen Orte dafür in Berlin immer rarer werden. Ist es vor diesem Hintergrund besonders mutig oder besonders dumm, einen neuen Club mitten in Mitte zu eröffnen?
Die Moka Efti Bar in Mitte zu eröffnen war eine bewusste Entscheidung, ein Statement. Clubs sind in Mitte fast ausgestorben und wir dachten: Es kann doch nicht sein, dass die Leute alle nach Rummelsburg oder Süd-Neukölln raus müssen, um vernünftig was geboten zu bekommen. Berlin wird international für seine Clubkultur geschätzt und je mehr die wegbricht, desto langweiliger wird es, siehe London.
Ein Moka Efti gab es schon einmal in Berlin und es ist sicher kein Zufall, dass eure Bar so heißt wie der hedonistische Tanztempel in der Serie Babylon Berlin – ist der Name auch bei euch Programm?
Die Idee für den Club ist älter als Babylon Berlin, aber mit dem aktuellen Hype um die Zwanziger war die Zeit endgültig reif für einen Club wie diesen. Es gibt heute einige Parallelen zu den 1920ern, die in ganz Berlin eine Zeit des intensiven Erlebens waren und wo gleichzeitig große Umbrüche anstanden. Heute ist es wieder so, wir haben eine Klimakrise und eine Wirtschaftskrise, die Menschen sind zunehmend verunsichert. Das Moka Efti der 2020er am Monbijoupark ist ein Ort für exzessives, schönes Feiern, egal wie hart das Leben ist. Wo Leute sich entspannen und – wie in der Serie – ausgelassen feiern können.
Das heißt, jeder kann rein?
Wir haben keine harte Tür, weil die Leute ganz gezielt zu uns kommen. Primär sind das Leute über 25, die viel arbeiten und, wenn sie feiern wollen, gute Drinks schätzen und Musik, die nicht nur Techno ist.
Das klingt eher elitär statt egalitär.
Unser Publikum sind nationale und internationale Gäste aus den Bereichen Medien, Politik, Werbung, Film, Architektur, Fashion, Kunst und Design, darunter auch andere Clubbetreiber und Prominenz jedweder Couleur, die in unserem Wohnzimmer – und manchmal sogar in der Küche – Platz nehmen. Diese Entourage findet den Weg zu uns nicht trotz, sondern weil wir etwas versteckt gelegen sind.
Brechen jetzt also von Mitte aus die nächsten Goldenen Zwanziger Jahre an?
Heute wie damals zelebrieren wir die Freiheit, zu leben und die Nächte genüsslich zu feiern, aber Charleston und Flapperkleider werdet ihr bei uns eher nicht finden. Musikalisch sind wir nicht festgelegt, elektronische Musik gibt es, klar, aber daneben ein munteres Crossover. Nicht beliebig, eher besonders ausgewählt. Zu den DJs sagen wir immer: Legt das auf, was keiner von euch erwartet. Vom Spirit her fühlen wir uns den Zwanzigern verbunden, aber wir feiern hier kein Revival, sondern bleiben offen für Neuinterpretationen, die wir gern mit unseren Gästen zusammen austesten. Kommt vorbei!
Gefeiert wird derzeit freitags bis sonntags ab 21 Uhr im Stadtbahnbogen 160 am Monbijoupark (S-Bhf Hackescher Markt).