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Schnelltests an Schulen: Das Richtige muss endlich richtig umgesetzt werden!Die Problemnichtlöserin: Die harten Wochen der BildungssenatorinKleine Parteien wollen digitaleres Wahlrecht erklagen – Grüne verzögern

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Schnelltests an Schulen: Das Richtige muss endlich richtig umgesetzt werden!

Das Positive zuerst! Berlin will flächendeckende Schnelltests an allen Schulen einführen – für Schülerinnen, Schüler und Lehrkräfte. Das hat die Bildungssenatorin Sandra Scheeres am Mittwoch dem Tagesspiegel gesagt. Losgehen soll es „möglichst bald“, sagt sie.

Die Problemnichtlöserin: Die harten Wochen der Bildungssenatorin

Die Bildungssenatorin braucht jetzt solche (angekündigten) Erfolge – Probleme lauern, wo sie auch hinschaut. Die CDU wird heute im Abgeordnetenhaus (wiederholt) ihre Entlassung fordern. Es grüßt das Murmeltier. Erst vergangene Woche war Scheeres von den Linken zur Alleinschuldigen am Schulchaos erklärte worden. Die Nicht-Anschaffung der Luftreiniger für Schulen gleicht fast überall einem Desaster, auch wenn jetzt die ersten Modelle eintrudeln.

Kein Schutz, keine Lobby! Eine Berliner Kita-Erzieherin klagt an

Unter den vollen Kitas, den zurückströmenden Kindern, leiden besonders die Erzieher. Sie fühlen sich schlecht geschützt, vergessen. Eine Angestellte einer Berliner Kita berichtet dem Checkpoint über ihre Arbeit. Sie will aus Sorge um ihren Arbeitsplatz anonym bleiben:

„In meiner Gruppe betreue ich mit meiner Kollegin zwischen 6 und 9 Kinder – von 11. Die gesamte Belegung im Haus ist momentan bei 30- 50 Prozent, Tendenz steigend.“

„Wir Erzieher fühlen uns nicht ausreichend geschützt.

Kleine Parteien wollen digitaleres Wahlrecht erklagen – Grüne verzögern

Jetzt geht’s vor Gericht. Weil sich Rot-Rot-Grün mit einem pandemie-gerechten Wahlrecht Zeit lässt, hat die Ökologisch-Demokratische Partei (ÖDP) jetzt Klage beim Berliner Verfassungsgericht eingereicht. Die Piraten Berlin erklärten auf Checkpoint-Anfrage, sie wollten sich der Klage anschließen, wenn in vier Wochen nichts passiert sei. „Radikal:Klima“ und „Die Partei“ erklärten, keine Räume für analoge Aufstellungsversammlungen zu finden.

Berliner Behörde wirbt online für Seelsorge-Hotline von „Islamic Relief“

Ganz anderes Thema: In Zeiten der Vereinzelung ist Seelsorge wichtiger denn je. Viele suchen jetzt Halt, manche auch im Glauben. Auf berlin.de werden, sucht man nach „Seelsorge“, acht Krisen- und Notrufnummern für Erwachsene angegeben. Eine übersichtliche Zahl, sicher gut ausgewählt. Man findet dort neben einer kirchlichen Seelsorge auch eine muslimische Hotline: Allerdings wird diese Nummer von „Islamic Relief Deutschland“ betrieben.

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Telegramm

Eine Frohe Botschaft verkündet SPD-Mann Daniel Buchholz: Ab Mai 2021 reinigt die BSR doppelt so viele Parks wie bisher (bislang Bezirkssache). Insgesamt 79 Parks und Grünflächen werden dann von der Stadtreinigung grün gehalten und 18 Badestellen und Liegewiesen werden gewienert. Über mehr Sauberkeit freuen dürfen sich u.a. der Volkspark Wilmersdorf, der Preußenpark, der Schlosspark Biesdorf, der Schäferseepark, Teile des Treptower Parks und des Großen Tiergartens. Berlin grünt.

Wieder hat es eine Panne bei der Lieferung von Impfdosen gegeben. Das am Dienstag erstmals gelieferte „Moderna“-Vakzin soll ohne die erforderlichen Temperaturmessgeräte nach Berlin geliefert worden sein. Die Gesundheitsverwaltung hielt deshalb die 2.500-Dosen zurück, Brandenburg ebenso. Die Impfdosen seien lediglich in Pappkartons gekommen, hieß es. Bundeswehr und Gesundheitsministerium erklärten aber rasch, alles sei in Ordnung. „Die Verwirrung sei durch technische Probleme beim Messverfahren und daraus folgende Ungenauigkeiten entstanden“, zitiert der sicherheitspolitische Blog „Augen geradeaus!Später erklärte auch die Gesundheitsverwaltung: Es kann geimpft werden. Am Freitag soll „Moderna“ erstmals im Erika-Heß-Eisstadion im Wedding gespritzt werden.

Ein Verkehrsnadelöhr wird verengt: Die Mühlendammbrücke in Mitte soll langfristig einspurig werden, berichtet die „Morgenpost“. Die Brücke soll „verkehrswendetauglich“ werden: den meisten Platz werden Tram und Radfahrer bekommen. 2029 ist es dann soweit.

Wirtschaftssenatorin Ramona Pop (Grüne) und Arbeitssenatorin Elke Breitenbach (Linke) treffen sich heute Nachmittag mit Vertretern von Wirtschaftsverbänden zum „Homeoffice“-Schnack. „Ziel ist es, gemeinsam nach Möglichkeiten zu suchen, wie Kontakte am Arbeitsplatz und auf dem Weg dahin noch weiter reduziert werden können“, heißt es aus Pops Haus. Wie’s gehen könnte, zeigt die Schweiz: Der Bundesrat plant dort „eine weitreichende Home-Office-Pflicht“. Besser als der drölftausendste Appell…ell…ell…ell (wir hören ihn live verhallen).

Apropos Homeoffice: Betriebskantinen sollen in Berlin für Publikum geschlossen bleiben – eigentlich. Denn am Dienstag hat der Senat (recht lautlos) beschlossen, einige jetzt doch wieder zu öffnen. Nämlich dort, wo „eine angemessene Versorgung“ sonst nicht möglich ist. Senatssprecher Julian Mieth sagte am späten Abend auf Checkpoint-Anfrage, die Regel sei vor allem für Krankenhäuser und andere Betriebe angepasst worden, in denen das Essen nicht am Arbeitsplatz verzehrt werden könne.

Die „BZ“ berichtet über den 14 Jahre alten Paul aus Lübben. Er braucht dringend eine Stammzellenspende, einen genetischen Zwilling. Hier geht‘s zur Registrierung.

Das doppelten Linkchen. Am Dienstag hat die Linke zusammen mit SPD und Grünen die 15-Kilometer-Regel beschlossen. Am Mittwoch kritisierte Parteivorsitzende Katina Schubert die Regel als „überflüssig“. Am vergangenen Mittwoch beschloss die Koalition gemeinsam, die Schulen zu öffnen, am Donnerstag soll es laut Linke ein Alleingang der SPD-Schulsenatorin gewesen sein. Regierungs- und Oppositionslinke bleiben als Partei vereint, aber in den Inhalten getrennt. SPD und Grüne sind zunehmend genervt.

Zurück zum Berliner Grün: Pankow sucht zwei Baumkontrolleure (m/w/d). Die sollen einerseits deren Verkehrssicherheit beurteilen, andererseits bekommen sie „Sonderaufgaben zur Baumentwicklung“. Ob Umarmen, Regentänze oder andere Gießaktionen dazu gehören, müssten Sie selbst erfragen. Bewerbungsfrist: 7. Februar.

In der Halle wird der Puck geprügelt, auf der Straße werden Menschen totgeprügelt: So in etwa könnte die Eishockey-WM in Weißrussland im Mai laufen (CP von gestern). CDU, FDP und Grüne im Bundestag fordern jetzt, die Weltmeisterschaft dürfe nicht in einem Land stattfinden, in dem „die Staatsmacht massive Menschenrechtsverletzungen begeht, friedliche Proteste gewaltsam unterdrückt und alle Kritikerinnen und Kritiker brutal verfolgt und einsperrt“, wie es Claudia Roth formulierte.

Und noch 'ne frohe Botschaft zum Schluss: Die CDU will eine prominente Schöneberger Kreuzung nach David Bowie benennen, schreibt meine Kollegin Sigrid Kneist. Das Chameleon of Rock ist auch schon fünf Jahre tot. Als Erinnerung an einen großen Menschen lesen Sie hier nochmal das Interview, das er 2002 dem Tagesspiegel gegeben hat. Oh! You pretty things.

Zitat

"Wenn er da war, war er gleichzeitig überall, im Überschall."

Marco Reckinger lebte obdachlos im Schillerkiez. Ein Nachruf von Madlen Haarbach.

Tweet des Tages

Ist das kalt hier.

@Holstein_Kiel

Stadtleben

Essen to go – Vegan-vegetarisch und israelisch-palästinensisch, so das Konzept bei Kanaan. Unbedingt probieren sollte man den Syrer“ – in Form von Hummus, Champignons, Zwiebeln und der hausgemachten geheimen Gewürzmischung, außerdem pochiertem Ei und Pita-Brot (9 Euro). Ein ähnlicher Geniestreich wie Hummus mit Ei ist der Shakshuka-Bagel. Der entsteht in Kooperation mit Fine Bagels als Initiative zur Stärkung kleiner Gastrobetriebe. Könnte man sich stimmungstechnisch eine Scheibe abschneiden... und mit Hummus bestreichen. Geliefert wird von Mo-So zwischen 12-14 Uhr und 17-21 Uhr, gekocht in der Schliemannstraße 15, U-Bhf Eberswalder Straße.

Letzte Runde – Weil Barchefin Lu Geipel derzeit nicht am Tresen im Neuköllner Schloss Neuschweinsteiger stehen kann, geht sie viel mit ihrem Hund Levis am Landwehrkanal spazieren. „In der WG kochen wir sehr gut und trinken gute Weine; das macht den Weltschmerz erträglicher, aber den Bauch auch runder.“ Zu beidem trägt auch ihr Lieblings- und Signature-Drink „Dild Tilt!“ bei: 4 cl Dild Aquavit werden mit 4 cl Riesling Wermut und 2 Barlöffeln Olivenwasser etwa 15 Sekunden kalt auf Eis gerührt, in eine Cocktailschale gegossen und mit einem Cornichon dekoriert. Weltschmerz, ade.

Das ganze Stadtleben gibt´s mit Tagesspiegel-Plus-Abo.

Berliner Gesellschaft

Geburtstag – Torsten Amft (50), Modedesigner / Ina Deter (74), Musikerin und Liedermacherin / Helma Ewert, „Alles Gute und danke für deine fortwährende Freundschaft“ / Andrea Fischer (61), Politikerin (Die Grünen), Lobbyistin und ehem. Gesundheitsministerin / „Ernst-August Lehmann, jetzt sind die Geburtstagsjahre nur noch eine Zählzahl. Bleib gesund – Hans-Joachim Melchior“ / Barbara Loth (64), Rechtsanwältin für Arbeitsrecht, ehem. SPD-Staatssekretärin für Integration und Frauen (2011-16) / Jan-Christopher Rämer (40), ehem. Stadtrat in Neukölln (SPD) / Dennis Smarsch (22), Spieler bei Hertha / Ralph Peter Steitz (71), Mitbegründer der Band „Ton Steine Scherben"

Sie möchten jemandem zum Geburtstag gratulieren? Schicken Sie einfach eine Mail an checkpoint@tagesspiegel.de.

Gestorben Annemarie Conen, verstorben am 6. Januar 2021 / Detlef Orwat, * 30. Juni 1950, ehem. Bezirksbürgermeister von Reinickendorf (CDU), später Staatssekretär in der Senatsverwaltung für Wirtschaft / Dr. med. Ernst-Joachim Rogahn, * 31. Mai 1930 / Fritz Schmorl, * 24. August 1946 / Ingeborg Stegemann, verstorben am 20. Dezember 2020

Stolperstein  – Ruth Daisy Gutmann (Jg. 1924) wurde in Berlin geboren. Nachdem die Nationalsozialisten sie am 19. Januar 1942 nach Riga deportierten, folgte eine weitere Station in Stutthof, wo sie am 14. Januar 1945, einen Tag vor ihrem 21. Geburtstag, ermordet wurde. In der Altonaer Straße 3 im Hansaviertel liegt zu ihrem Gedenken ein Stolperstein.

Encore

Vor genau zwei Wochen hat Großbritannien die Europäische Union verlassen, der gemeinsame Binnenmarkt ist Geschichte. Was so ärgerlich daran ist, wurde dutzendfach geschrieben. Manchmal aber machen die kleinen Dinge besonders greifbar, was verloren geht. Ein Twitter-Nutzer postete gestern eine SMS seines Vaters, der in Großbritannien lebt. Dieser schreibt: „Ich war heute einkaufen. Gemüse und Obst erfreulich gut versorgt, aber Preise explodieren. Dafür ist Fisch um bis zu 80 Prozent billiger, weil Fischer faktisch nicht mehr exportieren können. Im Gegenzug gibt es keinen Gouda, Edamer, Jarlsberg, keine französische Butter und keinen europäischen Wein mehr. Die Käseauswahl besteht jetzt aus mildem, medium und strong Cheddar. Zur Abwechslung wird Leicester geboten.“ Eine Einkaufsliste, aber als Shakespeare-Drama.

Dramatisch geht‘s heute hoffentlich nicht weiter – denn im Abgeordnetenhaus tagt das Parlament. Hier hat heute Teresa Roelcke mitrecherchiert, das Stadtleben hat Juliane Reichert geschrieben und Florian Schwabe die Produktion übernommen. Morgen guckt Ann-Kathrin Hipp vom Checkpoint aus auf Berlin. Bis bald,

Ihr Julius Betschka

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