Vormittags sonnig, dann windig und bewölkt bei 21 °C

Spätis dürfen sonntags nicht öffnenDer schlimmste Schienenersatzverkehr aller ZeitenShitstorm gegen Gleichstellungsbeauftragte

und ein herzliches Sorry an die Fans des für heute versprochenen Björn Seeling, deren Vorfreude noch einen Tag länger währen darf. Lieber Späti als nie – das gilt mehr denn je, nachdem das Landesverwaltungsgericht entschieden hat, dass die kleinen Kiezläden sonntags schließen müssen, sofern sie nicht ausdrücklich auf Touristenbedarf und To-Go-Nahrung spezialisiert sind. Bierkästen, Milchkartons und Honig im Pfund zählen dazu eben nicht.

Das Urteil bestätigt nur die längst geltende Rechtslage, die bisher je nach Bezirk entweder leidlich durchgesetzt oder unbürokratisch ignoriert wird. Es tut vielen weh, die sich bisher selbst wehtun, um über die Runden zu kommen – nämlich den Selbstausbeutern, die teilweise sieben Tage die Woche arbeiten, von denen der Sonntag der umsatzstärkste ist. Aber eben auch illegal, was den Behörden auf Dauer nicht egal sein kann. Ihre Herausforderung wird nun, die Regeln durchzusetzen, ohne die Betroffenen zu ruinieren. Denn die zahlen die Bußgelder eher nicht aus der Portokasse.
Zugleich wird die Kundschaft zumindest mal darüber nachdenken müssen, ob es nicht doch möglich ist, den Kühlschrank zwischen Montagfrüh und Samstagabend so weit zu bestücken, dass man irgendwie über den Sonntag kommt. Diese Fähigkeit von Erwachsenen zu erwarten, ist mindestens ebenso lebensnah wie die immerwährende Verfügbarkeit der Kiezläden, an die man sich so schön gewöhnt hat. In der „taz“ gibt’s dazu und darüber hinaus ein paar lesenswerte Gedanken.

Der hinter dem Ladenschlussgesetz stehende Grundgedanke, einem möglichst großen Teil der Bevölkerung zumindest einen Ruhetag zu sichern, ist zwar alt, aber keineswegs von gestern.

Berlin, aber Sommerloch: Der Ring des Nibelungen war im 19. Jahrhundert, der große Brockhaus trug durchs 20., aber jetzt kommt die sogenannte Kleine Anfrage „Sicherheit an Berliner Schulen IV“ des Anfragenrekordhalters Marcel „Lunte“ Luthe von der FDP: Genauer gesagt handelt es sich um 689 Anfragen, die der Senat zu einer zusammengefasst hat. Schließlich seien „die Fragestellungen und die Adressen der Einzelanfragen identisch zu der Sammelanfrage“. Luthe wollte wissen, wie viele Straftaten an Berliner Schulen (Auflistung: 22 Seiten) seit 2016 erfasst wurden. Wie schon bei den Anfragereihen I, II und III antwortet die Innenverwaltung: „Eine Veröffentlichung der adressengenauen Übersicht hat zum Schutz des Grundrechts auf informationelle Selbstbestimmung der unter den Anschriften zum Teil lebenden und der dort beschulten Personen zu unterbleiben.“

Und in den weiteren Ferienrubriken im Checkpoint für Abonnenten:
Wo man ungarische Köstlichkeiten kaufen kann und erklärt bekommt.
Welche Badestelle die vielleicht schönste im Grunewald ist.
Wie und wo Radfahrer Polo spielen.
Wo der Biberbus zu Mooren fährt.

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Warum die Sitzbezüge der Südost-S-Bahnen auffallend sauber sind – und was Stefan Jacobs damit zu tun hat.

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Wie ein Theaterensemble ganz ohne Stammbühne und Garderobe auskommt – und wo es heute zum letzten Mal auftritt.

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Telegramm

Nachdem wir hier am Dienstag den Frust einer Steglitzerin beschrieben haben, die sich fern aller Sharing-Angebote gerade für den Kauf eines Autos erwärmt, kam diverse Post: Die Verkehrsverwaltung betont, dass – anders als von ihrem Vertragspartner Nextbike behauptet – 140 von dereinst 750 Mietradstationen außerhalb des S-Bahn-Rings entstehen (sollen), wenn auch überwiegend nahe dran. Und Lichtenbergs BzBM Michael Grunst (Linke) kontert den Senatsvorwurf, die Bezirke würden Genehmigungen vertrödeln: Man habe sich sogar um zusätzliche Nextbike-Stationen bemüht. Und für effektives Carsharing brauche man Autos mit festen Parkplätzen. Das Gesetz dafür sei vorhanden, nicht aber die nötige Ausführungsvorschrift des Landes.

In der Nacht zu Freitag endet nach 16 Tagen der Schienenersatzverkehr im Südosten, der ein echtes Argument fürs eigene Auto war. Zu den Highlights (selbst gesehen!) gehörte das Duo aus zwei Bussen von Baumschulenweg nach Schönefeld (=16 km), in deren erstem die Menschenmassen fast erstickten, während direkt dahinter ein zweiter Bus mit demselben Ziel, aber ohne einen einzigen Passagier an Bord im Feierabendstau steckte. „Dermaßen viele Leserbeschwerden über einen Ersatzverkehr hatte ich noch nie“, resümiert Tsp-Kollege Thomas Loy, der unseren Newsletter für Treptow-Köpenick schreibt. Ab morgen wird dann der Ring nördlich vom Ostkreuz unterbrochen.

Eine Gesellschaft von Rocket Internet, also dem Zalando-Imperium der Samwer-Brüder, wollte ein Wohngebäude an der Urbanstraße kaufen, aber daraus wird nichts. Baustadtrat Florian Schmidt (Grüne), der zuletzt auch anderen in Kreuzberg Findlinge in den Weg gelegt hat, übte laut „B.Z.“ das Vorkaufsrecht aus. Nun geht das Gebäude an die Gewobag und eine Genossenschaft.

Vor dem Spandauer Rathaus soll heute eine Regenbogenflagge gehisst werden. Die Wetterlage war zuletzt allerdings vom Shitstorm dominiert, der über die Gleichstellungsbeauftragte des Bezirks hereingebrochen war. Die hatte den Geschäftsführer des Lesben- und Schwulenverbandes per Mail um eine Erklärung zu einem Foto von 2018 gebeten, auf dem er Arm in Arm mit dem hoch umstrittenen US-Botschafter Richard Grenell zu sehen ist. Der Verbandschef beklagte daraufhin im großen Mailverteiler Gesinnungsschnüffelei. Die lokale AfD griff das Thema dankbar auf, die asozialen Netzwerke reagierten erwartungsgemäß. Nämlich so, dass BzBM Helmut Kleebank jetzt ankündigte, den strafrechtlich relevanten Teil des Gepöbels anzuzeigen.

Amt, aber glücklich: Eveline und Helmut S. brauchten dringend eine Ehebescheinigung und schrieben dem Standesamt StegZehl deshalb Dienstagabend eine Mail. Auf die automatische Antwort, dass es – egal was – eine Weile dauern werde, folgte Mittwochfrüh die freundliche Einladung von „Ihrem Team der Urkundenstelle“, einfach vorbeizukommen und das Dokument nach Zahlung der Gebühr gleich mitzunehmen. Das wollen die Eheleute S. heute tun – verbunden „mit einer persönlichen Danksagung (Geschenk unter der Bestechungsgrenze)“.

Amt, aber nicht so richtig: (Mindestens) ein Mitarbeiter der Post-Dependance am Wittenbergplatz legt Wert auf die Feststellung, dass es sich 1.) bei dem Etablissement – anders als im CP Dienstag behauptet – nicht um ein „Postamt“ handele, sondern um eine Postbankfiliale, und dass 2.) am Montag mehr als nur zehn 10-Cent-Marken vorrätig gewesen seien. Unterdessen meldet die Nachrichtenagentur AFP, dass es wegen der großen Nachfrage nach den neuen Briefmarken zu Lieferverzögerungen komme und die Post für eine „kurze Übergangszeit“ kulant sein wolle. Danach ist sie dann wieder die Post.

Die Kulturverwaltung hat sich zur Neuausschreibung der Werkstatt der Kulturen (WdK) geäußert, die der Migrationsrat in einem offenen Brief kritisiert (CP von gestern): Durch den im Koalitionsvertrag vereinbarten Neustart „soll die Arbeit der Einrichtung erhalten, langfristig neu konzipiert und deren Ausstrahlung in die gesamte Stadt verbessert werden“. Ein künftiges Nutzungskonzept müsse „die bisherige Geschichte und die besondere Stellung des Hauses aufnehmen und berücksichtigen“. Anders als behauptet seien die Beschäftigten der WdK stets auf dem Laufenden gehalten worden, u.a. durch sechs Gespräche der Chefin Philippa Ebéné mit Kultur-StS Thorsten Wöhlert. In den nächsten Tagen wolle die Verwaltung dem Migrationsrat ein Gesprächsangebot machen.

Gestern Abend spielte Musiklegende Neil Young vor 20.000 Leuten in der Waldbühne – und brachte gutes Wetter mit. Pünktlich zum Auftritt des 73-Jährigen riss die Wolkendecke auf, Young spielte in der gleißenden Abendsonne. Tagesspiegel-Kollege Hannes Soltau war dabei und hat sein Erlebnis aufgeschrieben.

Nachdem im Rotary Club Berlin einige Mitglieder am Rad drehten, weil ihr Vorstand Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci (SPD) in den exklusiven Club aufnehmen wollte (CP vom 24.06.), bahnt sich womöglich eine Alternative an: Dienstagabend war Kalayci zu Gast beim „Rotary Club Berlin Platz der Republik“, der laut Insidern weniger elitär und altherrisch ist. Die Senatorin jedenfalls war bis spätabends dabei.

„Wedding kommt“, heißt es ungefähr seit der Wende, aber jetzt zieht Mahlsdorf vorbei. Zumindest einzelhandelstechnisch – mit dem „Wochenmarkt 2.0“, der heute Premiere im Kiezzentrum „Pestalozzitreff“ feiert und künftig jeden Donnerstag geplant ist. Vom Wochenmarkt 1.0 bis 1.9 unterscheidet sich der Neue dadurch, dass es eine Gastgeberin gibt wie auf einer Tupperparty und dass die Kunden ihre – ausschließlich regional produzierte – Ware vorher im Internet bestellen. Man darf aber auch spontan vorbeikommen (Vielleicht gibt’s ja attraktive Retouren to go?).

BER Count Up – Tage seit Nichteröffnung:

2588

Zitat

Wer schickt Wölfe in den Zoo / haut Verbrechern auf den Po? Ingo, Ingo!

Aus dem Song, mit dem die Brandenburger CDU ihrem Spitzenkandidaten Ingo Senftleben im September zum Sieg bei der Landtagswahl verhelfen will. Tsp-Kollege Alexander Fröhlich versicherte auf besorgte Nachfragen aus der Bevölkerung bereits, das Lied sei echt.

Tweet des Tages

Nächtlicher Dialog auf der Rolltreppe am S-Bahnhof Zoo: „Diese Stadt ist so fürchterlich! Finden Sie das auch?“ „Ja.“ „Ich bin so froh, wenn ich wieder im Ruhrgebiet bin! Woher kommen Sie?“ „Aus Berlin.“ „Und Sie finden die Stadt fürchterlich?“ „Natürlich.“ #ditisberlin

@Aude_Berlin

Berlin heute

Wo das Classic Open Air mit dem abendlichen Berufsverkehr in Mitte kollidiert und wo gegen die Räumung eines Spätis demonstriert wird, lesen Sie mit dem Checkpoint-Abonnement.

Prominent verraten

Raus aus der Komfortzone! Die Figuren in den Werken des gesuchten Berliners sind oft konfliktbehaftet. Seinen jüngsten Film präsentierte er 2018 auf der Berlinale.

Bekannte Berliner fotografieren für uns eine Woche lang täglich Ausschnitte aus ihrem Leben. Die Auflösung kommt immer freitags - mit einem Selfie.

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Erraten Sie, wer sich diesmal hinter den Bildern versteckt?
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Stadtleben

Essen & Trinken – „Hummus Aperitivo“: So kombiniert das Universo in Neukölln heute Abend zwei hervorragende Dinge. Einerseits wird in italienischer Manier der Feierabend zelebriert. Also mit einem guten Drink. Dazu gibt’s Hummus – weil Hummus zu allem passt und man sowieso nie genug davon bekommen kann. Gemixt wird die Kichererbsenpaste im hauseigenen syrischen Feinkostladen. Der behauptet, den besten Hummus der Stadt zu machen – auf diese Diskussion lassen wir uns an dieser Stelle nicht ein. Wer möchte, kann aber gerne heute ab 17 Uhr testen gehen und sich ein eigenes Bild machen. Der Koch steht für Nachfragen zur Verfügung, ob Sie ihm sein Rezept entlocken, ist ungewiss – einen Versuch aber ist es wert. Drink und Hummusteller gibt’s für 8 Euro in der Lenaustraße 5 (U-Bhf Hermannplatz).

Neu auf der Museumsinsel ist für diese Sommersaison die Kolonnaden Bar. Sie ist eine Replik auf die Erfrischungshalle, die im 19. Jahrhundert zwischen den Säulengängen für durstige Museumsbesucher errichtet wurde. In den nächsten sieben Wochen bietet die Bar jeden Donnerstag also Getränke begleitet von Vorträgen und mit musikalischem Ausklang. Den rednerischen Anfang macht heute ab 19 Uhr Claudius Seidl von der FAS. Der Eintritt ist frei. Bodestraße 3, S-Bhf Hackescher Markt

Als Checkpoint-Abonnent erfahren Sie außerdem, wo man eine Grillparty auf der Spree buchen kann und wo das mobile Theaterensemble „Shakespeare2Go“ zum letzten Mal auftritt. Und Sie können bei unserer Verlosung für das Boulevard-Musical „Chicago" mitmachen. Hier geht's zum kostenlosen Probemonat.

Das Stadtleben heute von: Maria Kotsev

Berliner Gesellschaft

Geburtstag Alpa Gun (39), Rapper / Brigitte Maria Bertele (45), Regisseurin und Schauspielerin / Dr. Thomas Discher (56), stellv. Kreiswahlleiter in Tempelhof-Schöneberg, „rechtschaffener Recht Schaffender am JFK-Platz; Gratulerar RA4 a.D." / „Die AIDA Crew wünscht dem guten Geist der Abion Villa Nadine Keddi alles Gute“ / David Kross (29), Schauspieler / Wolf von Lojewski (82), Fernsehjournalist / Birgit Meineke (55), Schwimmerin in der DDR / Cornelia Schleime (66), Künstlerin / Sebastian Turner, Medienunternehmer, Herausgeber des Tagesspiegel

Sie möchten jemandem zum Geburtstag gratulieren? Schicken Sie einfach eine Mail an checkpoint@tagesspiegel.de.

GestorbenCosta Cordalis, * 1. Mai 1944, Schlagersänger / Barbara Franziska Fox, * 9. Juni 1936 / Christiane Immenkötter, * 22. März 1944 / Hans-Ulrich Kamke, * 4. August 1952 / Hans Wall, * 17. März 1942, Berliner Unternehmer und Gründer der Wall AG

StolpersteinWilly Hadroszek (Jhg. 1894) lebte in der Arndtstraße 25 in Kreuzberg, bevor er heute vor 77 Jahren nach Sachsenhausen-Klinkerwerk deportiert und noch am selben Tag von den Nazis wurde.

Im Tagesspiegel

Gerichtsverfahren können gegen Geldauflagen eingestellt werden - Richter und Staatsanwälte verteilen dadurch viel Geld an gemeinnützige Vereine. In Berlin waren es 2018 rund 2,3 Millionen Euro. Doch das System sei korruptionsgefährdet, warnen Kritiker. Lesen Sie den Beitrag von Niklas Liebetrau heute auf Seite 13 im Tagesspiegel und im E-Paper.

Encore

Die Wiener Linien lassen in diesem Monat testweise vier U-Bahnzüge beduften. Die Aktion soll die Öffis in schweißtreibenden Zeiten attraktiver machen. Alle Aromen seien allergiegetestet. Die Fahrgäste können online über ihr Geruchserlebnis abstimmen; das Pilotprojekt startet mit den Noten „Relax“, „Energize“, „Fresh White Tea“ und „Happy Enjoy“. Nach der Resonanz richten sich dann Ausmaß und Umfang der Beduftung im nächsten Sommer. Die Gerüche werden übrigens über die Klimaanlage verströmt. Wer sich fragt, ob das nicht auch was für die BVG wäre: Berlin hat keine klimatisierten U-Bahnen, sondern nur stinknormale.

Haben Sie einen schönen Tag. Die Luft ist ja auch ohne künstliche Farb- und Konservierungsstoffe gerade ganz angenehm. Morgen betört Sie hier Björn Seeling.

Ihr Stefan Jacobs

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