Sonnig mit mäßigen Böen, es bleibt trocken.
Grünes Umfragehoch, nervöse SPD, genervte Linke – es knirscht bei R2G Der Regierende im Checkpoint-Interview Thomas Wochnik präsentiert sein Wochenende

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Wenn das Rote Rathaus ein Wetterhäuschen wäre, hätte das Männlein mit dem Regenschirm einen Dauereinsatz: Das Senatsbarometer steht auf stürmisch, bei der SPD heißt es: „Das Verhalten der Grünen belastet die Koalition sehr“, sogar von einem „Ausstiegsszenario“ war die Rede.

Was steckt wirklich dahinter?
Da ist zum einen die Unzufriedenheit der SPD mit sich selbst, die grummelnd ein Ventil sucht. Da ist zum anderen die Euphorie der Grünen, die fröhlich auf ihrer Umfragewolke entschweben. Und mittendrin die Linke, die gerne ganz entspannt im Hier und Jetzt ihr Programm durchziehen würde, aber zunehmend genervt ist von beiden Partnern.

Und statt Baldrian wird dann auch noch Krisentreibstoff verabreicht: Der Finanzsenator kündigt das Ende der fetten Jahre an, der Koalition stehen Sparrunden bevor. Zwar verlief das erste Chefgespräch über die Etats weitgehend schmerzfrei, aber die Nerven sind ja auch noch betäubt von der sedierenden Nachwirkung der finanziellen Überdosis, die zuletzt verabreicht werden konnte. Damit ist es bald vorbei.

Dazu kommt: Die Grünen, als schwächster Partner in die Koalition gestartet, aber jetzt seit Monaten an der Umfragen-Spitze (auch was das Personal betrifft), haben jetzt zusätzlich bei den Europawahlen der U18 mächtig abgeräumt: 31 Prozent, mehr als SPD und Linke zusammen. Wer da nicht in Szenarien denkt, hat Politik nicht verstanden.

Also, bahnt sich da was an oder nicht? Bleibt die R2G-WG von Michi, Poppi und Klausi, die Naomi Fearn hier jeden Tag im Checkpoint so brillant in Szene setzt, noch etwas zusammen – oder werden da langsam die Kisten gepackt? Bei der Checkpoint-Party gestern Abend haben wir Wirtschaftssenatorin Ramona Pop gleich mal danach gefragt – ihre Antwort: „Ich habe noch keine Kisten gepackt, und ich habe weder vor, aus der WG auszuziehen, noch woanders einzuziehen.“

Aha, noch nicht. FDP-Fraktionschef Sebastian Czaja, ebenfalls beim Checkpoint zu Gast, riet der Senatorin dann auch, ruhig mal im Rathaus wohnen zu bleiben: „Mal sehen wer dazu zieht.“ Er würde ganz gerne, und auch die CDU ist nicht abgeneigt. Kai Wegner, der sich heute zum Landesvorsitzenden wählen lassen will, sagt: „Ich habe stets vielfältige Kontakte zu den Grünen gehabt. Die will ich wieder pflegen, Vertrauen aufbauen.“ (Q: Berliner Zeitung).

Aber kann die Opposition Regierungsverantwortung übernehmen? In der Union sagen sie selbst, das käme zu früh. Und beim Berlin-Quiz auf der Checkpoint-Party gestern Abend lag am Ende die Regierung mit Pop, Lederer und Staatssekretärin Sawsan Chebli von der SPD vor der Opposition mit Czaja und CDU-Europakandidatin Hildegard Bentele. Bemerkenswert: Gute Laune hatten alle, am Checkpoint-Wetterhäuschen schien die Sonne, das Barometer zeigte keine Gewitterneigung. Aber wir wissen ja: Berlin bleibt anders. Früher oder später.

PS: Falls Sie gestern Abend nicht dabei sein konnten: Hier gibt‘s noch ein paar Impressionen von unserer Checkpoint-Party – es wird nicht die letzte gewesen sein!

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