Brandts Kniefall von Warschau

Vor einem halben Jahrhundert sank Willy Brandt, damals Bundeskanzler, in Polen auf die Knie – eine sprachlose Bitte um Vergebung. Wir blicken zurück. Von Lorenz Maroldt

Brandts Kniefall von Warschau
Foto: dpa

Drei Willy-Brandt-Autobiografien habe ich vor vielen Jahren gelesen, sie stehen noch in meinem Bücherregal (alles Erstausgaben, wenn auch leicht verstaubt): „Mein Weg nach Berlin“ (1960), „Begegnungen und Einsichten“ (1976) und „Links und frei“ (1982). Heute vor 50 Jahren kniete Brandt, damals Bundeskanzler, bei einem Staatsbesuch in Polen vor dem Mahnmal für den Aufstand im Warschauer Ghetto nieder – sprachlos.

Auf Seite 525 seiner „Begegnungen und Einsichten“ beschreibt er den Moment so: „Unter der Last der jüngsten Deutschen Geschichte tat ich, was Menschen tun, wenn die Worte versagen; so gedachte ich der Millionen Ermordeten.“ In Deutschland gab es „hämische Kommentare“ (Brandt), in Polen registrierte der Kanzler Betroffenheit – niemand äußerte sich.

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