Nachhilfe aus Berlin: Ein 12-Jähriger erklärt, was man im Geschichtswettbewerb lernt, der Aiwangers Flugblatt auslöste

Manch ein Schüler hat die deutsche Historie als Anlass für Auschwitzwitzchen genommen. 150.000 andere haben sich unterdessen mit der Demokratie-Initiative des Bundespräsidenten beschäftigt. Von Julius Betschka und Margarethe Gallersdörfer

Nachhilfe aus Berlin: Ein 12-Jähriger erklärt, was man im Geschichtswettbewerb lernt, der Aiwangers Flugblatt auslöste
Berlin unterstützt einfach alle Bedürftigen. Foto: Imago/Rolf Poss

50 Jahre alt wird in diesem Jahr der Geschichtswettbewerb des Bundespräsidenten. Ja, das ist genau jener, gegen den sich das antisemitische Flugblatt aus dem Hause Aiwanger einst richtete. Während mancher die Aufarbeitung deutscher Geschichte als Anlass für Auschwitzwitzchen nahm, haben seit der Gründung 150.000 Schülerinnen und Schüler am Wettbewerb teilgenommen. Jonah Wenzel, 12 Jahre alt, Siebtklässler am Gymnasium Steglitz, ist einer von ihnen. Er wurde am Montag zu einem der Landessieger gekürt und hat meiner Kollegin Margarethe Gallersdörfer von seinen Recherchen erzählt.

Jonah, herzlichen Glückwunsch zu Deinem Erfolg beim Geschichtswettbewerb! Womit hast Du Dich auseinandergesetzt?
Bei meinem Projekt ging es um eine ehemalige SS-Kameradschaftssiedlung in der Nähe der Krummen Lanke, an der Argentinischen Allee. Die Siedlung wurde spezifisch für SS-Mitglieder gebaut. Als es in der heutigen Zeit darum ging, dort eine Erinnerungsstele aufzustellen, haben einige Bewohner dagegen protestiert. Da habe ich mich gefragt: Warum findet man so etwas schlecht? Wie kann man da überhaupt dagegen sein?

Und was hast Du herausgefunden?
Es hat sich letztendlich herausgestellt, dass weniger die Bewohner dagegen waren als vor allem die Parteien, die in dem Gebiet aktiv waren. Die dachten, dass das den wirtschaftlichen Wert der Siedlung senken könnte, und dass sie zu einem Treffpunkt für Neonazis werden könnte.

Wie bist Du bei der Recherche vorgegangen?
Ich habe mit ganz vielen Leute gesprochen, zum Beispiel mit dem Autor der Stele und der stellvertretenden Bürgermeisterin Frau Richter-Kotowski. Auch die Bewohner der Siedlung, die selbst schon recherchiert hatten, haben mir geholfen, zum Beispiel mit alten Artikeln aus SS-Zeitschriften.

Was hast Du gedacht, als Du das alte Flugblatt gegen den Wettbewerb gesehen hast?
Ich war komplett geschockt. Was da stand, war schrecklich.