Berlins heimliche HeldInnen

 „Wir leben zusammen mit meiner Mutter, ohne deren regelmäßige Betreuung für meinen Sohn es mir nicht möglich wäre, zu arbeiten“, erzählt Juliane Kroner. Gemeinsam mit ihrem Mann Seif Adouni ist Kroner für einen Pizza-Lieferservice tätig, sie als Schichtleitung, er ist abends als Fahrer unterwegs. Auf diese Jobs sind die beiden angewiesen: Kronberg ist gelernte Kauffrau für Tourismus und Freizeit, angesichts der aktuellen Situation gibt es in der Branche jedoch keine Chance auf Anstellung; seinen Nebenjob als Fahrer bei einem Versandhändler muss Adouni momentan ruhen lassen, wegen der erhöhten Ansteckungsgefahr durch Kundenkontakt. Beim Lieferservice koordiniert Kroner Abläufe, hält Ordnung im Laden und nimmt Bestellungen entgegen. Der Ton der Kunden habe sich in den vergangenen Tagen verschärft. Trotz eigener Verhaltenshinweise kämen schriftliche Anmerkungen wie „Essen einfach ablegen, klopfen/klingeln und gehen!!!!“. „Kein Bitte, kein Danke“, sagt Kroner.  Auch Trinkgeld gebe es für die Fahrer*innen kaum noch „Heute hatte mein Mann bei 7 Stunden gerademal 2 Euro. Ein einziger Kunde hatte ein Zweieurostück auf die Fußmatte gelegt.“ Andere berichten, sie würden hinter verschlossenen Türen angebrüllt, wegzugehen. Da tröste es auch wenig, dass sich die Zahl der Bestellungen verdoppelt habe. Was helfe, sei der Zusammenhal: „Wir in unserem Laden sind wie eine Familie.“ Wütend werde sie, wenn sie sehe, wie einige Menschen mit der derzeitigen Situation umgehen. „Wenn ich im Laden bin und Menschengruppen am Schaufenster vorbeilaufen sehe, möchte ich jedem einzelnen ins Gesicht schreien: ‚Bleibt zu Hause, verdammt! Ok, wir sind jung und gesund. Uns kann nix Schlimmes passieren. Aber ihr könntet einem Betroffenen der Risikogruppe quasi den Tod bringen!‘“ (Text: Paul Lufter; Foto: privat)

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